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Buchgestaltung · Lesbarkeit · Publikationen

Wie wird ein Buch lesbar?

Ein Buch kann aufgeschlagen und trotzdem verschlossen bleiben. Der Einstieg fehlt, alles scheint gleich wichtig, Bilder und Text finden nicht zueinander. An sechs Stellen zeigt sich, wie aus Inhalt eine Publikation wird, in der Menschen gern weiterlesen.

01 · Die Leser

Wer hält das Buch in der Hand?

Ein Kochbuch wird anders benutzt als ein Jahresbericht. Beim einen sucht jemand mit mehligen Fingern ein Rezept. Beim anderen will die Leserin zuerst wissen, was sich im vergangenen Jahr verändert hat. Diese Situationen bestimmen die Reihenfolge der Inhalte. Ein guter Einstieg zeigt, wo man ist und wie es weitergeht. Kapitel, Register und Zwischentitel helfen beim Wiederfinden. Wer zuerst nach Schriften fragt, hat die wichtigste Frage übersprungen: Für wen sind diese Seiten da?

Lesbarkeit beginnt vor dem ersten Layout.

Abstraktes Diagramm mit einer Linie, die durch einen unterbrochenen Kreis führt.

02 · Die Ordnung

Was ist wichtig, was braucht Ruhe?

Typografie macht Unterschiede sichtbar. Eine Überschrift eröffnet, eine Bildunterschrift erklärt, eine Fußnote ergänzt. Schriftgröße, Zeilenlänge und Abstand geben jedem Teil seinen Platz. Ein Raster hält diese Ordnung auch dann, wenn die Texte einmal kurz und einmal lang sind. Weißraum ist dabei keine verlorene Fläche. Er gibt dem Auge Gelegenheit, einen Gedanken zu Ende zu lesen. Die schwierigste Seite zeigt, ob das System trägt: viele Absätze, ein kleines Bild und eine lange Quellenangabe.

Wenn alles laut ist, bleibt nichts hängen.

Abstraktes Seitenraster mit Linien, Punktfläche und freien Feldern.

03 · Das Beispiel

30 Rezepte. Ein gemeinsamer Tisch.

Für »Grenzenlos« kamen 30 Rezepte aus elf Ländern und Regionen zusammen. Das Buch der Stiftung Deutsches Design Museum umfasst 152 Seiten. Die Rezepte brauchten eine verlässliche Ordnung: Zutaten schnell finden, Schritte gut lesen, Bilder wirken lassen. Auf den Kapiteleinstiegen stehen Jugendliche mit handbeschrifteten Plakaten. So bekommt das Buch neben seiner Funktion eine eigene Stimme. Das Bild erzählt von den Menschen; die Gestaltung hilft beim Kochen.

Eine gute Seite zeigt, was man braucht, und lässt Platz für das Unerwartete.

Rezept-Doppelseite aus »Grenzenlos« mit Zutaten, Zubereitung und Fotografie
»Grenzenlos« · Stiftung Deutsches Design Museum

04 · Der rote Faden

Was verbindet verschiedene Stimmen?

Ein Bericht bringt oft unterschiedliche Themen, Zahlen und Menschen zusammen. Im Jahresbericht der Evangelischen Akademie Frankfurt wurde »Bauen« zum Leitmotiv. Es verbindet die Arbeitsfelder, ohne sie gleichförmig zu machen. Ein solcher Gedanke hilft bei der Auswahl von Bildern und bei der Dramaturgie der Seiten. Er ersetzt keine Inhalte. Er zeigt, warum sie zusammengehören. Auch eine Broschüre kann davon profitieren: Wer sie aufschlägt, soll erkennen, welche Geschichte diese Ausgabe erzählt.

Der rote Faden muss nicht rot sein.

Jahresbericht der Evangelischen Akademie Frankfurt: Porträts und Auftakt zum Thema Bauen
Jahresbericht · Evangelische Akademie Frankfurt
Aufgeschlagene Kunstkontakt-Broschüre mit Texten und künstlerischen Arbeiten
Ausstellungsbroschüre · Kunstkontakt

05 · Die Probe

Hält die Idee auch auf Seite 47?

Eine Titelseite kann fast alles versprechen. Musterseiten müssen es einlösen. Deshalb gehören eine ruhige Textseite, eine bildstarke Doppelseite und ein schwieriger Seitentyp auf den Tisch, bevor der ganze Satz beginnt. Dort zeigt sich, ob Textlängen, Bildformate und Zwischenüberschriften zusammenpassen. Redaktion und Gestaltung arbeiten dabei miteinander: Ein gekürzter Absatz verändert den Rhythmus, ein besseres Bild die Reihenfolge. Rückmeldungen werden gebündelt, damit die nächste Fassung eine Richtung hat.

Erst die Probe. Dann die ganze Ausgabe.

Zwei versetzte Seiten und eine kreisförmige Prüfmarke.

06 · Das Material

Wie wird die Publikation gelesen?

Ein Buch wird gehalten, aufgeschlagen und weitergegeben. Format, Papier und Bindung verändern seine Wirkung. Ein Bericht auf dem Bildschirm stellt andere Fragen: Wie schnell findet jemand eine Grafik? Bleiben Schriften und Kontraste auch digital lesbar? Die Antwort liegt nicht in einer einzigen schönen Datei. Sie liegt im Gebrauch. Wer das früh klärt, kann Bilder, Satzspiegel und Ausgabeform aufeinander abstimmen. Dann passt die Gestaltung zur Hand, zum Bildschirm und zum Inhalt.

Die Form gehört zu den Menschen, die sie benutzen.

Vier abstrahierte Seitenflächen um einen gemeinsamen Drehpunkt.
Editorial Design

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